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Endlich ist so so weit: Hier
stellen wir Pflanzen vor, aus denen wunderbare essbare Dinge gezaubert
werden können. Bitte nicht enttäuscht sein: Die Liste ist noch sehr klein.
Das liegt erstens an der mangelnden Zeit, zweitens haben wir uns auch hier
vorgenommen, nur erprobte Rezepte zu veröffentlichen. Abschreiben kann ja
jeder.
Esskastanie,
Marone, Marroni, Keschde
Die Esskastanie (lateinisch Castanea sativa)
gehört zur Familie der Buchengewächse (Fagaceae) und ist nicht zu
verwechseln mit der nicht genießbaren Rosskastanie, letztere gehört zur
Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae). Die Bäume werden rund
30 Meter hoch und lieben ein mildes Klima, in den wärmeren Weinbaugebieten
wächst die Esskastanie deshalb meist gut. Der Baum bildet typische
Nussfrüchte aus, die von einer grünen, unangenehm stachligen Schale
umgeben sind, die zwischen September und November geerntet werden können.
In alten Zeiten hatte die Esskastanie eine größere Bedeutung als heute,
insbesondere als "Brot für die Armen": Wegen ihres hohen Stärkegehalts
können die Kastanien zum Beispiel zu Mehl verarbeitet und verbacken
werden.
Vorbereitung küchenfertiger Esskastanien
Kastanien-Marmelade
Kastanien-Orangen-Marmelade
Quitte
Die Quitte (lateinisch Cydonia oblonga)
gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist eng
verwandt mit Apfel und Birne. Damit handelt es sich um ein Kernobst. Die
Quittenbäume erreichen eine Größe von rund 8-10 Meter und mögen Wärme,
weshalb die Quitte oft in Weinbaugebieten angepflanzt wurde. Es handelt
sich um eine alte Kulturpflanze, die inzwischen auch verwildert vorkommt.
Es gibt verschiedene Zuchtformen, die grob in Birnen- und Apfelquitten
unterteilt werden können. Die verschiedenen Sorten können sich
geschmacklich erheblich voneinander unterscheiden. Geerntet wird im Herbst
bis etwa Ende Oktober.
Die Früchte sind sehr pektin- und gerbstoffreich,
zudem sind sie für den direkten Verzehr zu hart. Ein Grund für die Härte
sind so genannte "Steinzellen" im Fruchtgewebe. Je nach Sorte sind diese
Steinzellen besonders dicht am Kerngehäuse, das deshalb immer sorgfältig
und großzügig ausgeschnitten werden sollte, wenn das Fruchtfleisch
verzehrt werden soll. Die Quittenschale weist oft einen ölig-filzigen
"Pelz" auf, der sorgfältig entfernt werden muss. Dazu wird die Frucht
entweder geschält oder mit einem groben Tuch sorgfältig abgerieben.
Trotzdem können viele Köstlichkeiten aus der Quitte
gezaubert werden.
Im Fruchtweinkeller ist ein Rezept für
Quittenwein.
Herstellung von
Quittensaft mit Hilfe von Antigel
Quittengelee
Quittengelee mit
Amaretto
Quittengelee,
exotisch
Quitten in Rum
Quitten in Whisky
Quittenlikör
Schlehe,
Schlehdorn, Schwarzdorn, Heckendorn, Hageldorn
Die Schlehe (lateinisch Prunus spinosa)
gehört zu den Rosengewächsen (Rosaceae) und gilt als eine Urform
der Pflaume (Prunus domestica). Die Sträucher erreichen eine Höhe
von 3 Metern oder mehr und sind oft an sonnigen Wald- oder Wegrändern zu
finden. Die Schlehe kann dichte Hecken bilden, wobei Dornen die Ernte
erschweren. Die Früchte werden im Oktober reif, sind dann aber noch sehr
sauer und herb. Dies liegt an ihrem außergewöhnlich hohen Gerbstoffgehalt:
Die Früchte wirken beim Zerkauen bitter und adstringent, im Mund
entwickelt sich zusammenziehendes, raues, pelziges Gefühl, das man vom
Genuss gerbstoffreicher Rotweine her kennt. Der Gerbstoffgehalt von
Schlehen ist allerdings deutlich höher als der Gerbstoffgehalt von
Trauben. Schlehen sollte man deshalb immer erst nach dem Frost ernten,
denn die Pflanze zieht dann Gerbstoffe aus den Früchten heraus in die
Rinde. Ist der erste Frost da, sollte man sich allerdings mit der Ernte
beeilen, denn viele Kleinsäuger und Vögel wollen auch ihren Anteil haben.
Manchmal findet man den Hinweis, der Gerbstoffgehalt
von Schlehen würde sinken, wenn man gesammelte Schlehen im heimischen
Gefrierschrank einfriert. Das stimmt nicht: Nur bei Frost am Strauch wird
der Gerbstoffgehalt tatsächlich verringert.
Die Schlehe ist eine sehr alte Obstsorte, der
allerlei Zauberwirkungen nachgesagt wurden. Auch im Brauchtum hatte die
Schlehe einen festen Platz. Dazu nur ein Beispiel: Im Mittelalter wurde
zur Kirchweih ein alkoholisches Getränk aus Schlehen und Honig gereicht.
Auch als Heilpflanze war und ist die Schlehe geschätzt.
In der Küche werden Schlehen wegen ihres
unangenehm hohen Gerbstoffgehalts meist nicht "pur" verwendet. Sorgfältig
dosiert setzen Schlehen jedoch wunderbare Geschmacksakzente.
Im Fruchtweinkeller findet sich ein Rezept für einen
köstlichen Schlehenwein, im
Honigweinkeller ist ein Rezept für einen
Schlehenwein mit
Honig.
Schlehen-Apfelgelee mit Gewürzen
süß-sauer eingelegte
Schlehen
Schwarzer
Holunder, Holler, Hollerbusch, Flieder
Der Schwarze Holunder (lateinisch Sambucus nigra)
gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae). Früher
wurde er fälschlicher Weise den Geißblattgewächsen (Caprifoliaceae)
zugeordnet. Holunder wächst meist in Strauchform, seltener in
Baumform, und kann, wenn er sich wohl fühlt, eine Höhe von bis zu 10 m
erreichen, in seltenen Fällen auch mehr. Er wächst in lichten Wäldern, am
Feldesrand, auf Schuttplätzen oder auf Weiden und gilt als
Stickstoffanzeiger. Er kann auch im Garten angepflanzt werden (siehe
unten). Ein typisches Erkennungsmerkmerkmal ist was weiße Mark der Äste.
Den Germanen und Kelten war der Holunder heilig, er
galt als Wohnstädte guter Geister und war in Hausnähe gern gesehen. Das
Fällen eines Holunders wurde streng bestraft. Noch heute lautet ein alter
Bauernspruch: "Vor einem Holunder muss man den Hut abnehmen." Unabhängig
vom Mystizismus werden dem Holunder schon seit der Antike
gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben, zum Beispiel gegen
Verdauungsbeschwerden, und Holunder wurde auch zum Färben, z.B. von Wein,
verwendet. Holunderblüten gelten als schweißtreibend und sollen
Erkältungssymptome lindern, sie enthalten besonders viel antibakteriell wirkende ätherische Öle. Zu den weiteren Inhaltsstoffen
zählen verschiedene polyphenolische Verbindungen, denen mancherorts
allerlei Wirkungen in Bezug auf das Herz-Kreislaufsystem nachgesagt werden,
sie sollen zudem als Radikalfänger wirken. Über diese Wirkung im Menschen, die ja auch
oft dem Rotwein zugesprochen wird, ließe sich wohl vortrefflich streiten.
Für wilde und leckere Speisen können sowohl die Blüten
als auch die Beeren verwendet werden. Erntezeit ist für die Blüten etwa
Mai/Juni, die Früchte, bei denen es sich botanisch gesehen um
beerenähnliche Steinfrüchte handelt, können im September geerntet werden.
Von anderen Pflanzenteilen sollte man die Finger lassen, denn der Holunder
enthält das giftige Sambunigrin. Lesen und beachten Sie dazu bitte die
Gesundheitshinweise
zur Verwendung von Holunder.
Die Ernte sowohl von Blüte oder Frucht ist leider nicht
ganz unproblematisch. Die Blüten sind sehr empfindlich und werden, wenn
sie gedrückt werden, sehr schnell braun. Die Blütendolden (botanisch
korrekt bezeichnet handelt es sich eigentlich nicht um Dolden, sondern um
Schirmrispen) sollten immer ganz gepflückt werden, frühestens am Mittag,
wenn der Tau getrocknet ist. Zu Hause werden die Dolden leicht
angetrocknet, dann können die Blüten mit Hilfe eines groben Gitters
(Hasendraht, Maschendraht) leicht abgestreift werden. Die Blüten könen für
Tee auch getrocknet werden, für die Wein- oder Sirupbereitung taugen die
getrockneten Blüten allerdings leider nicht, auch ein Einfrieren ist
leider nicht möglich.
Auch bei der Ernte
der Beeren sollten immer ganze Dolden abgeschnitten werden, denn sie sind
extrem empfindlich und beginnen sehr schnell zu schimmeln, insbesondere
wenn sie verletzt wurden. Zu Hause angekommen sollten sie deshalb rasch abgebeert und verarbeitet werden, notfalls im Kühlschrank zwischenlagern.
Alternativ können die Früchte gedörrt werden, leider verlieren sie dabei
etwas Aroma.
Im Fruchtweinkeller finden sich Rezepte für
Holunderbeeren- und Holunderblütenweine
sowie ein Rezept für Holunderwein mit Eichenchips.
Im Honigweinkeller ist ein Rezept für
Holunderblütenwein mit Honig.
Holunder im Hausgarten
Holundersaft (haltbar)
Holunder-Ananasmarmelade
Holunder-Baiser

© Dr. Andreas Kranz 2007
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